Uran Aktien: Stecker raus oder 100-Bagger?

Uran Aktien: Stecker raus oder 100-Bagger?

Uran Aktien kennen seit dem Atom-Unglück in Japan nur eine Richtung – nach unten (!). 140 Mrd. USD an Börsenwert wurden vernichtet und die natürliche Selektion “Survival of the Fittest” hat seinem Namen alle Ehre gemacht: Von den ehemals Hunderten Uran Aktien gibt es heute nur noch ein paar Dutzend.

Und dennoch lässt das Thema “Uran” die Börse nicht los: Der Grund, ist einer der spektakulärsten Bullenmärkte im 21 Jahrhundert – wo man innerhalb weniger Jahre seinen Einsatz verhundertfache. Von 2001 bis 2007 stieg alleine der Preis für Uran um 1700%.

Die Performance von Uran Aktien war noch absurder. Hier verzeichnete man Renditen von 5000% – 10 000%.

Historische Preisentwicklung von Uran
Uran-Boom (Quelle: https://www.researchgate.net/figure/Historical-Spot-Price-of-Uranium-1988-to-2018-U3O8-From-UXC_fig1_324978537)

Wie kam es zum Bullenmarkt in Uran Aktien?

Alles begann mit dem Abrüstungsvertrag 1987. Wo sich die USA und die damalige Sowjetunion dazu verpflichteten, ihre nuklearen Mittelstreckenraketen abzubauen. Damit setzten sie dem drohendem Atomkrieg und Wettrüsten ein Ende. Mit dieser Entscheidung beeinflussten sie auch den Uran-Markt und legten das Fundament für einen der spektakulärsten Bullenmärkte aller Zeiten.

Der Abbau von nuklearen Mittelstreckenraketen hatte zur Folge, dass das dort verwendete Uran (Raketen + vorgesehenes Inventar) in Form von Secondary Supply in den Markt zurückfloss. Die Konsequenz war ein kollabierender Uran-Preis, welcher vor sich hindümpelte.

Als private Minengesellschaften konnte man bei diesen Preisen nicht länger rentabel wirtschaften. Man musste Explorationsprojekte auf Eis legen und produzierende Minen stilllegen, denn nur so konnte man in diesem Marktumfeld überleben.

Hinweis: Die Stilllegung einer Mine erscheint unproblematisch, dem ist jedoch nicht so. Man kann nicht einfach einen Schalter umlegen und die Mine fährt wieder hoch – dies dauert Jahre und kostet haufenweise Geld. Die Reaktivierung von Uran-Minen ist besonders schwierig und langwierig, da man ein neue Genehmigung von der Regierung einholen muss.

Nach der Jahrtausendwende kam das Unumgängliche, der Secondary Supply war aufgebraucht und die noch aktiven Minen konnten die plötzlich zu tage tretende Angebotslücke nicht kompensieren. Die Konsequenz waren steigende Preise – und wie sie stiegen (!)

Kommt es zu einem erneuten Uran-Boom?

Wenn man die aktuelle Angebot und Nachfrage Situation betrachtet, ist die Frage nicht ob die Preise steigen, sondern wann sie steigen. Auf diese Hypothese werden wir am Schluss des Artikels nochmals zurückkommen. Zuvor werden wir jedoch die Angebots- und Nachfrageseite beleuchten.

Angebotsseite Uran

Aktuell werden die Preise für Uran und somit auch für Uran Aktien künstlich niedrig gehalten. Zurückzuführen ist dies, gleich wie in der Vergangenheit, auf einen Überhang an Secondary Supply. Heute stammt der Überhang nicht mehr von nuklearen Mittelstreckenraketen und dem dafür vorhergesehenen Inventar, sondern von japanischen Kraftwerkbetreibern.

Nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima wurden in Japan alle 54 Reaktoren vorübergehend stillgelegt. Seit dem wurden 24 Reaktoren endgültig vom Netz genommen, 9 Reaktoren sind wieder hochgefahren und die restlichen 21 “sollen” ebenfalls wieder in Betrieb gehen. Hier stellt sich jedoch die Frage, wann dies sein wird? Ist es heuer, nächstes oder übernächstes Jahr? Umso später der Neustart, desto mehr Uran-Inventar wird man in Japan abbauen.

Wie wirkten sich die Stilllegungen auf die Nachfrage nach Uran aus?

Der Beschluss japanische Reaktoren vorübergehend stillzulegen, reduzierte quasi über Nacht die weltweite Atomstromkapazität um mehr als  5%. Dies wirkte sich negativ auf die Nachfrage nach Uran aus.

Energie aus Uran nahm um 10% ab, was sich auf den Kurs von Uran-Aktien auswirkte
Weltweit produzierte Menge an Atomstrom (Quelle: World Nuclear Association)

 

Im Jahr 2018 konnte man den verursachten Nachfragerückgang das erste Mal vollständig kompensieren. Zurückzuführen ist dies auf neue Kapazitäten aus Asien. Der Großteil dieser neuen Kapazitäten stammt aus aus China und Indien.

Als man den Nachfragerückgang endlich kompensierte und sich erste Lebenszeichen bei Uran-Aktien zeigten, stand auch schon das nächste Problem vor der Tür: Ein Überhang an japanischen Uran-Inventar. Da der Neustart von japanischen Reaktoren länger dauert als gedacht, haben sich die japanischen Kraftwerkbetreiber dazu entschieden, teils überschüssiges Uran-Inventar abzubauen. Umso länger der Neustart dauert, desto mehr Uran-Inventar wird man abbauen.

Hinweis: Japan wird und kann nicht sein ganzes Uran-Inventar auf den Markt werfen, da es (a) von strategischer Bedeutung ist und (b) wurde es in einer Zeit erworben, wo der Preis für Uran deutlich stand als heute. Laut Schätzungen beläuft sich das überschüssige bzw. abbaubare Uran-Inventar auf 35-40 Mio. Pfund. Dies entspricht 20% der jährlich konsumierten Menge an Uran.

Fazit: Obwohl man den Nachfragerückgang vollständig kompensieren konnte, stiegen die Preise für Uran nicht. Dies ist auf den Überhang an Secondary Supply aus Japan zurückzuführen. Umso länger dieser Neustart dauert, desto mehr Uran-Inventar wird man abbauen.

Der Uran-Preis (somit auch der Preis für Uran-Aktien) bewegt sich seit ein paar Jahren seitwärts
Der Preis für Uran bewegt sich seit einigen Jahren seitwärts (Quelle: www.finanzen.net)

Stilllegung von Uran-Minen

Der niedrige Uran-Preis veranlasste mehr und mehr Minenbetreiber dazu, Kapazitäten zu schließen und Explorationsprojekte auf Eis zu legen. Die International Energy Agency schätzt die Produktionskosten (Total Cost of Production) für einen Pfund Uran auf 50-60 USD. Der aktuelle Spot Price liegt jedoch bei lediglich 25 USD pro Pfund und somit deutlich unter den Produktionskosten.

Mit jedem Pfund Uran verliert man 30 USD: Man holt das Uran für 60 USD aus dem Boden und verkauft es für 30 USD an den Kunden. So funktioniert vielleicht der Sozialismus, aber nicht der Kapitalismus (!)

Der aktuelle Preis von Uran
Der aktuelle Preis für Uran liegt deutlich unter seinen Produktionskosten (Quelle: https://tradingeconomics.com/commodity/uranium 28.02.2020)

Die Selbstkorrektur 

Kapitalistische Systeme haben die die Eigenschaft sich selbst zu korrigieren. Im Rohstoffsektor ist dies besonders stark ausgeprägt:

“Niedrige Preise führen zu hohen Preisen und hohe Preise führen zu niedrigen Preisen”

Wenn die Preise für einen längeren Zeitraum unter den Produktionskosten liegen, dann werden Minen geschlossen. Als erster werden die Minen mit den höchsten Produktionskosten geschlossen und als letzter die mit den niedrigsten.

Das besondere bei Rohstoffen ist deren extreme Kapitalintensität. Man kann nicht einfach einen Schalter umlegen und die ehemals stillgelegte Mine produziert wieder – so funktioniert das nicht! Um eine Mine wieder hochzufahren, benötigt es zig Millionen, dutzende Behördengänge und langwierige Genehmigungsprozesse.

Der Neustart einer stillgelegten Uranmine gestaltet sich als besonders schwierig und ist nicht mit dem Neustart einer herkömmlichen Minen zu vergleichen. Hier wird kein Auge zugedrückt, wenn man die Auflagen nicht zu 100% erfüllt, dann wird die Minen nicht hochgefahren. Dieses hin und her zwischen Management und Regierung kann sich über mehrere Jahre erstrecken. In der letzten Uran-Hausse dauerte es im Schnitt zwischen 2 bis 4 Jahren um eine ehemals stillgelegte Mine wieder hochzufahren.

Uran Aktien welche ihre Produktion schnell hochfahren konnten, waren in der letzten Hausse die besten Performer. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist die Uran Aktie Paladin Energy. Im Jahr 2002 notierte die Aktie bei 0,010 AUD, am Höhepunkt des Zyklus notierte die gleiche Aktie bei 8 AUD. Kursverlauf der Uran Aktie Paladin Energy im letzten Bullenmarkt

Paladin Energy Kursverlauf (Quelle: https://www.google.com/search?q=paladin+energy+aktie&rlz=1C1CHBF_deAT831AT831&oq=paladin+e&aqs=chrome.1.69i57j69i59j0l6.6895j1j8&sourceid=chrome&ie=UTF-8)

Stilllegung von Uran-Minen

Seit 2016 hat die weltweite Uran-Produktion um 26% (!) abgenommen. Aktuell kompensiert man die immer größer werdende Produktionslücke durch Secondary Supply – aber auch dieser neigt sich dem Ende.

Seit 2016 sank die weltweite Uran-Produktion um 26%
Rückläufige Uran Produktion (Quelle: Energy Fuels Februar Presentation)

Stilllegung von Tier 1 Assets

Unter den stillgelegten Minen befinden sich auch die beiden kanadischen Flagship-Minen McArthur River und Rabbit Lake. Beide gelten als Tier 1 Asset und befinden sich in der Athabasca Basin. Die Athabasca Basin ist für die Uran-Industrie das, was für die Ölindustrie Saudi Arabien ist. Nirgendwo sonst gibt es so einen hohen Urangehalt wie dort.

Beide Minen sind mehrheitlich im Besitz des börsennotierten Unternehmens Cameco. Cameco ist hinter dem Staatsunternehmen Kazatomprom (Kasachstan) der weltweit zweitgrößte Uran-Förderer. Bevor man McArthur River und Rabit Lake stilllegte, produzierten sie zusammen mehr als 15% des weltweiten Urans.

McArthur River

Die McArthur River wurde im Jahr 1988 entdeckt und ging um die Jahrtausendwende in Produktion. McArthur River gilt als die größte high-grade Mine der Welt. Die Proven und Probable Reserves belaufen sich auf 270 Mio. Pfund und das bei einem durchschnittlichen Urangehalt von beinahe 7%. Damit hat man einen 70 mal so hohen Urangehalt wie der Branchendurchschnitt (~0,10%).

Rabbit Lake

Rabbit Lake ist die zweite Flagship-Mine von Cameco. Sie ist nicht so groß wie McArthur River, hat jedoch einen noch höheren Urangehalt. Dieser beläuft sich auf  14,7% – was dem 150-fachen Durchschnittswert entspricht. Während die Konkurrenz aus einer Tonne Gestein 15 [kg] Uran extrahiert, bekommt man bei Rabbit Lake 150 [kg].

Fazit: Die McArthur River und Rabbit Lake Mine sind ein Symbol für die aktuelle Lage: Wenn es sich nicht einmal für Tier 1 Assets lohnt, das Erz aus dem Boden zu holen, wie soll es sich dann für Tier 2 und Tier 3 Assets lohnen? Nichtsdestotrotz gibt es weiterhin produzierende Tier 2 und Tier 3 Assets – ganz nach dem Motto “The last one standing

“The last one standing” ist in der Rohstoffbranche ein weit verbreitetes Phänomen: Da die Schließung und Wiedereröffnung einer Mine Unmengen von Geld und Zeit kostet – ist es oft wirtschaftlicher, zu Verlusten weiterzufördern. Wenn dann auch noch der Markt dreht, ist man in einer einmaligen Situation. Es besteht jedoch auch das Risiko, dass der Preisaufschwung nicht rechtzeitig eintritt.

Weitere Schließungen und Produktionskürzungen

  • Der weltweit größte Förderer von Uran Kazatomprom hat in einer Pressemitteilung im Jahr 2019 bekanntgegeben, seine Produktion um weitere 20% zu kürzen. Dies soll so lange beibehalten werden, bis eine Erholung im Markt eintritt. Die Produktionskürzung beläuft sich auf 12.3 Mio. Pfund jährlich – damit reduziert man die weltweite Produktion um weitere 10-13%. Kazatomprom hat im Vergleich zu anderen Unternehmen den Vorteil, dass man das In-situ leach (ISL) Verfahren verwendet. Dies erlaubt es einem die Produktion  innerhalb kürzester Zeit (12-18 Monate) hochzufahren. Das In-situ leach Verfahren ist mit dem Fracking-Verfahren in der Erdölindustrie vergleichbar.

Hinweis: Kazatomprom ist eines der ganz wenigen, wenn nicht sogar der einzige Minenbetreiber, welcher im aktuellen Marktumfeld noch rentabel wirtschaftet. Dies liegt an folgenden Gründen und Ursachen:

    • Das ISL-Verfahren funktioniert in Kasachstan sehr gut und erlaubt es einem extrem günstig zu produzieren.
    • In den letzten Jahren hat man vor allem das leicht zu erreichende Uran gefördert. Wenn erst einmal die niedrig hängenden Früchte aufgebraucht sind, muss man sich den schwerer zu erreichenden Früchten zuwenden, welche höhere Produktionskosten zur Folge haben.
    • In den letzten Jahren wurden große Investitionen aufgeschoben. Dadurch konnte man seine Produktionskosten weiter senken, jedoch ist dies ein doppeltes Schwert. Ohne die entsprechenden Investitionen kann man nicht langfristig produzieren, man muss sie somit irgendwann nachholen.
    • Da Kazatomprom ein Staatsunternehmen ist, hat man auch staatliche Subventionen erhalten.
  • Die australische Ranger Mine wird im Jahr 2021 ihre Pforten schließen. Damit fallen weitere 6 Mio. Pfund pro Jahr bzw. 5-6% der jährlichen Produktion weg.
  • Der französische Staatskonzern Orano (ehemals Areva) hat bekanntgegeben, dass man die Cominak Mine in Niger im Jahr 2021 endgültig schließen wird und die Produktion an der Somair Mine reduziert. Dies mag eine nicht so große Produktionslücke hinterlassen, ist jedoch dennoch spürbar.

Fazit: Bis 2021 werden weitere 20% der weltweiten Produktion (Kazatomprom + Ranger + Cominak) heruntergefahren oder stillgelegt. Im gleichen Zeitraum wird die Nachfrage nach Uran weiter zunehmen, was zu einer aufklaffenden Angebots- & Nachfragelücke führt.

Aktuell wird diese Lücke noch vom Überhang an Secondary Supply kompensiert – es ist jedoch nur mehr eine Frage der Zeit, bis auch dieser aufgebraucht ist.

Nachfrageseite Uran

Ob man Atomstrom mag oder nicht, spielt für den Investment-Case keine Rolle. Es geht um Fakten und die Fakten sagen, dass der Nuklearmarkt trotz so manchen Gegenwindes (Atomunglück in Japan, Atomausstieg Deutschlands …) eine Wachstumsindustrie ist. Dies wird durch die Anzahl der im Bau befindlicher Reaktoren (53 Stück) bestätigt.

Warum benötigen wir Atomstrom?

Wenn wir die Umwelt retten wollen, müssen wir auf umweltfreundlichere Energiequellen umsteigen. Atomstrom spielt hierbei eine wichtige Rolle, da es die einzige umweltfreundliche Energiequelle ist, welche 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage pro Jahr Strom produziert.

Atomstrom ist eine sogenannte Grundlastkapazität (Baseload Capacity), welche kontinuierlich Strom produziert und dafür sorgt, dass das Netz nicht zusammenbricht.

Der Microsoft Gründer Bill Gates spricht sich für den Atomstrom aus
Bill Gates Atomstrom (Quelle: CanAlaska Presentation Februar 2020)

Sonnen- und Windenergie

Sonnen- und Windenergie gelten nicht als Baseload Capacity, da man nicht kontinuierlich Strom produzieren kann. Es gibt jedoch noch weitere Gründe, welche Wind- und Sonnenenergie als Baseload Capacity vorübergehend ausschließen:

  • Aktuell fehlt es an Speicherkapazitäten um die durch Sonne und Wind produzierte Energie zu speichern. Ohne eine ausreichend große Speicherkapazität, kann die Sonnen- und Windenergie nicht 24 Stunden pro Tag ins Netz gespeist werden.

Dies wird sich trotz des starken Wachstums an Speicherkapazitäten nur sehr langsam ändern und kann mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die folgende Grafik prognostiziert das erwartete Wachstum an Speicherkapazitäten. Auch wenn das prognostizierte Wachstum signifikant erscheint, ist es im Vergleich zum weltweiten Energieverbrauch verschwindend gering.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie, würde man alleine an der Ostküste der USA 280 GW an Speicherkapazität benötigen um die Region mit 100% Wind- und Solarenergie zu versorgen. An der Ostküste der USA leben jedoch “nur” 118 Mio. Menschen – und dennoch würden Sie mehr als 25% der für 2040 erwarteten Speicherkapazitäten benötigen. Wie viel Speicherkapazitäten würde man dann für die gesamte USA benötigen? Geschweige davon, wie viel man für China benötigen würde.

Prognostizierte Entwicklung von Speicherkapazitäten

Prognostiziertes Wachstum an Speicherkapazitäten (Quelle: BloombergENF)

  • Auch wenn man genügend Speicherkapazitäten zur Verfügung, bleibt folgendes Problem bestehen: Was ist wenn der Wind nicht bläst oder die Sonne nicht scheint?
  • Ein weiteres Problem ist der Platzbedarf: Um einen Gigawatt Atomstrom durch Solarenergie zu kompensieren, benötigt man eine Fläche von ca. 60 Quadratkilometern. Würde man den gesamten US-Atomstrom (~100 GW), welcher 15% der amerikanischen Baseload Capacity produziert, durch Solarenergie ersetzen, dann würde man eine Fläche von 840 000 Fußballfeldern benötigen. Und wir sprechen hier nicht von China oder Indien, sondern lediglich von der USA mit seinen 330 Mio. Einwohnern.

Fazit: Der Anteil an Wind- und Sonnenenergie wird voraussichtlich weiter zunehmen, jedoch wird man auch weiterhin Baseload- und Backup Capacity in Form von Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken benötigen. Eine amerikanische Studie hat herausgefunden, dass bereits ein 3%er Rückgang an Baseload Capacity zu Blackouts führen würde – wir bewegen uns hier somit auf einem schmalen Grad.

Aktuelle Lage

Laut der World Nuclear Association befinden sich aktuell 440 Reaktoren in Betrieb, 55 weitere im Bau und mehrere hundert in Planung.

Für unseren Investment Case sind die im Bau befindlichen Reaktoren relevant. Die Reaktoren in Planung sind dagegen kaum von Relevanz, da sich (a) bis zum tatsächlichen Baubeginn noch einiges ändern kann und (b) liegt die Inbetriebnahme so weit in der Zukunft, dass es für den jetzigen Investment Case in Uran Aktien keine Rolle spielt.

Hinweis: Der Bau eines Reaktors gehört zu den kompliziertesten und teuersten Bauprojekte der Welt. Ein durchschnittlicher Reaktor kostet ca. 6.000 Mio USD, die aktuell in China gebauten Reaktoren kosten bis zu 11.000 Mio. USD. Die hohe Anfangsinvestition, wird durch die lange Lebensdauer von bis zu 80 Jahren (neue Generation an Reaktoren) kompensiert.

Das hohe Capex trägt dazu bei, dass der Uran-Preis (6-8% der Gesamtkosten) kaum von Relevanz ist – ob man jetzt 30 Mio. USD oder 60 Mio. USD im Jahr für Treibstoff (Uran) ausgibt, ist in Relation zum gesamte Investitionsvolumen verschwindet gering.

Dies erlaubt es dem Uran-Preis zu steigen, ohne die Cash-Flow Rendite des Atomkraftwerkes signifikant zu beeinflussen – man hat hier somit nicht das Problem, dass steigende Preise zu einer sinkenden Nachfrage führen. Damit unterscheidet man sich von Gas- und Kohlekraftwerken, wo die Treibstoffpreise bis zu 80% der Gesamtkosten ausmachen.

Der Uranpreis spielt in Relation zum Capex kaum eine Rolle

Kommen wir nun wieder auf die im Bau befindlichen Reaktoren zu sprechen: Mehr als 50% aller Reaktoren werden in folgenden vier Ländern errichtet:

  • China (12)
  • Indien (7)
  • Russland und Verbündete (5)
  • Vereinigte Arabische Emirate (4)

China und Indien

China und Indien produzieren prozentual gesehen noch relativ wenig Atomstrom. Dies wird sich in den kommenden Jahre jedoch ändern.

In China ist über die kommenden 5-10 Jahre mit dem größten Wachstum zu rechnen: Aktuell hat man 45 aktive Reaktoren und 12 weitere im Bau. Von diesen 12 im Bau befindlichen Reaktoren, werden 6 Reaktoren im Jahr 2020 in Betrieb genommen. Dadurch steigert man die Atomstromkapazität auf 60 Gigawatt. Eine Kapazität von 60 Gigawatt erscheint für westliche Verhältnisse viel, ist im Land der Mitte jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Nur 4% des in China produzierten Stroms stammt von Atomkraftwerken.

Bis 2025 will China seine Nuklearkapazitäten auf bis 120 Gigawatt ausbauen und somit die USA als größten Atomstrom-Produzenten (~100 GW) überholen. Ob sich dies zeitlich ausgehen wird, erscheint fragwürdig, man erkennt jedoch die aggressive Energiepolitik Chinas und die setzt ganz klar auf Atomstrom.

14 neue Reaktoren in einem Jahr

Laut der World Nuclear Association gehen im Jahr 2020 14 neue Reaktoren in Betrieb. Die Inbetriebnahme neuer Reaktoren hat einen großen Einfluss auf die Nachfrage nach Uran. Der Grund dafür ist, dass man bei der Inbetriebnahme eines Reaktors auch ein entsprechend großes Uran-Inventar benötigt, welches mindestens  2-3 Jahre (hängt vom jeweiligen Land ab) abdeckt.

Kraftwerkbetreiber benötigen mehr Treibstoff

Wie man an der folgenden Grafik erkennen kann, nimmt die Menge an ungedecktem Uran ab 2020 stark zu.

DIe Menge an ungedecktem Uran nimmt ab 2020 stark zu
Ab 2020 nimmt die Menge an ungedecktem Uran stark zu (Quelle: Cameco)

 

Ungedecktes Uran ist für Reaktorbetreiber das, was für den Autofahrer der rote Bereich bei der Tankanzeige ist – man kommt noch ein paar Kilometer, aber man versucht so schnell wie möglich eine Tankstelle zu finden.

Die Tankanzeige befindet sich im roten Bereich
Der rote Bereich einer Tankanzeige (Quelle: https://us.123rf.com/450wm/bobrovee/bobrovee1905/bobrovee190500058/124947893-modern-fuel-indicator-with-low-fuel-level.jpg?ver=6)

 

Um nicht in den roten Bereich zu kommen, sollte man alle zwei Jahre auf der Käuferseite aktiv werden und langfristige Lieferverträge (Long-Term Contracts) abschließen. Da man dies in letzter Zeit jedoch vernachlässigte, gibt es jetzt eine große Menge an ungedeckten Uran.

Dies lässt annehmen, dass im Jahr 2020 mehr Reaktorbetreiber auf der Käuferseite aktiv werden und ihre Uran-Versorgung sicherstellen. Durch vermehrte Aktivitäten auf der Käuferseite schrumpft der Secondary Supply aus Japan – was zu steigenden Uran und Uran Aktien Preisen führen könnte.

Hinweis: Wenn man als Reaktorbetreiber einen langfristigen Liefervertrag (Long-Term Contract) abschließt und Uran kauft, heißt das nicht, dass man das Uran auch sofort bekommt – dies dauert zwischen 18-24 Monate. Das Uran muss abgebaut, zerkleinert, angereichert und zu Pellets gepresst werden. Im aktuellen Marktumfeld dauert dieser Prozess nochmals länger, da man aufgrund der niedrigen Preise und somit auch niedrigen Marge Weiterverarbeitungskapazitäten stilllegte.

Der Brennstoffkreislauf nimmt zwischen 18-24 Monate in Anspruch
Uranium Fuel Cylcle (Quelle: https://www.e-education.psu.edu/eme444/node/238)

Der perfekte Sturm für Uran Aktien?

Die fundamentale Ausgangslage könnte für Uran Aktien kaum besser sein:

  • Aufgrund eines Überhangs an Secondary Supply werden bestehende Kapazitäten stillgelegt und Explorationsprojekte vernachlässigt. Bis 2021 werden voraussichtlich weitere 20% der weltweiten Produktion heruntergefahren oder stillgelegt.
  • Aktuell befinden sich 53 Reaktoren im Bau, wovon 14 Reaktoren im Jahr 2020 anlaufen und ihre Uran-Versorgung (2-3-facher Jahresbedarf) sicherstellen müssen.
  • Reaktorbetreiber müssen auf der Käuferseite aktiv werden um ihre Versorgung sicherzustellen. Wenn mann die Versorgung weiterhin vernachlässigt, läuft man Gefahr an Treibstoff auszulaufen.

Man hat hier somit eine aufklaffende Angebots- & Nachfragelücke, welche aktuell noch vom Secondary Supply aus Japan kompensiert wird. Wenn der Secondary Supply jedoch aufgebraucht ist oder Japan seine restlichen Reaktoren wieder hochfährt, wird der Uran-Preis explodieren, denn plötzlich gibt es kein Angebot mehr, welches die Lücke schließen könnte.

Wie unterscheidet sich die aktuelle Lage von damals?

Wenn man die fundamentalen Ausgangslagen (heute vs 2000/2001) miteinander vergleicht, könnte der kommende Bullenmarkt noch extremer werden und den aktuell totgeglaubten Uran-Aktien Leben einhauchen:

  • Um die Jahrtausendwende waren 23 Reaktoren im Bau, heute sind es 53 (!)
  • Damals befanden sich Minen mit einer erwarteten Kapazität von 20-30 Mio. Pfund im Bau. Heute befindet sich keine einzige Mine in dieser Phase, stattdessen werden weitere Kapazitäten geschlossen. Erst wenn sich der Uran-Preise den Produktionskosten nähert, wird man darüber nachdenken neue Minen zu errichten oder ehemals stillgelegte Minen wieder hochzufahren.
  • Die Reaktorbetreiber müssen im Jahr 2020 wieder auf der Käuferseite aktiv werden um ihre Uncovered Requirements zu decken. Aktuell befindet sich das Uran-Inventar zwei Jahre unter dem historischen Durchschnittswert. Das letzte mal als Reaktorbetreiber so ein niedriges Uran-Inventar hatten, war vor dem letzten Bullenmarkt.

Schlussfazit

Kurzfristig kann der Uran-Preis und somit auch der Kurs von Uran Aktien weiterhin dahindümpeln, was vor allem auf den Secondary Supply aus Japan zurückzuführen ist. Der Secondary Supply wird entweder aufgebraucht, oder man fährt die japanischen Reaktoren früher als erwartet wieder hoch. Beides könnte schon im Jahr 2020 der Fall sein.

Wenn der Secondary Supply vom Markt verschwunden ist, dann reicht das Angebot plötzlich nicht mehr aus und die Preise steigen. Man wird dann versuchen, so schnell wie möglich, ehemals stillgelegte Kapazitäten wieder hochfahren, dies wird jedoch 2-3 Jahre dauern. In dieser Übergangsphase, wo kaum neue Kapazitäten auf den Markt kommen, kann der Uran-Preis signifikant zulegen. Was durch die unelastische Nachfrage nochmals intensiviert wird. Man kann nicht einfach einen Reaktor herunterfahren, nur weil die Preise für Uran gestiegen sind – so funktioniert das nicht!

Würde man auch nur 3% der amerikanischen Baseload Capacity, was 20 Atomkraftwerken entspricht, vom Netz nehmen, dann würde es zu landesweiten Blackouts kommen. Die Frage ist somit nicht, ob die Preise für Uran steigen, sondern wann sie steigen.

Entweder die Preise für Uran steigen und stimulieren die Inbetriebnahme neuer Kapazitäten, oder es kommt zu landesweiten Stromausfälle. Welche dieser beiden Optionen als realistischer gilt, müssen Sie als Investor selbst entscheiden – für uns von Deep Value ist es jedoch klar.

“Uranium prices will rise or the lights go out” – Rick Rule

 

 

 

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